Stefanie Jacomet auf botanischer Entdeckungstour. Foto: Jörg Schibler.

Besonders spannend finde ich Lawinenzüge

Flo­ra Raet­i­ca lebt vom Engage­ment sein­er Frei­willi­gen. Mit ihren Beobach­tun­gen leis­ten sie einen wichti­gen Beitrag zur Erfas­sung der Pflanzen­welt Graubün­dens.

In unser­er Porträtrei­he stellen wir die Men­schen hin­ter Flo­ra Raet­i­ca vor.

Heute: Ste­fanie Jacomet, pen­sion­ierte Archäob­otanikerin aus Ftan. Seit Pro­jek­t­be­ginn bei Flo­ra Raet­i­ca dabei.

Foto: Jörg Schi­bler – Ste­fanie Jacomet auf botanis­ch­er Ent­deck­ungs­tour.

Ste­fi, was begeis­tert dich an Pflanzen?
Eigentlich alles! Die Beschäf­ti­gung mit Pflanzen ist extrem abwech­slungsre­ich – die Bes­tim­mung, ihre Geschichte im Ver­lauf der let­zten paar Mil­lio­nen Jahre, Art­bil­dung­sprozesse, genetis­che Ver­wandtschaft, ihre Ökolo­gie… und vieles mehr. Und dann sind viele Blütenpflanzen ein­fach auch schön zum Anschauen!

Wie bist du zur Botanik gekom­men?
Ich habe mich schon als Kind für Pflanzen inter­essiert – die Spaziergänge im Basel­bi­eter Wald mit meinem Gross­vater sind unvergessen; ich wusste genau, wo die Maiglöckchen zu find­en sind. Im Gym­na­si­um war ich zur Freude unseres Biolo­gie-Lehrers die Einzige, die sich für Pflanzen inter­essierte – da lag ein Studi­um der Botanik nahe!

Hast du eine Lieblingspflanze in Graubün­den?
Beson­ders faszinieren mich die kleinen lila blühen­den Enziane mit 5 Kro­n­blattzipfeln (manch­mal als eigene Unter­gat­tung «Gen­tianel­la» abge­gren­zt). Sie sind in der Schweiz bish­er schlecht erforscht. Mich inter­essiert, wo sie vorkom­men und wie sie miteinan­der ver­wandt sind. Daraus lässt sich vielle­icht ableit­en, wo sie die Eiszeit­en über­lebt haben und von welchen Orten dann ihre Wieder­aus­bre­itung erfol­gte.

Was fasziniert dich am Unter­wegs­sein in der Natur?
Die frische Luft, und wenn man weit­er weg ist von lär­mi­gen Strassen, auch die Ruhe! Ich liebe es, draussen zu sein, auf Berge zu steigen (min­destens so lange meine Beine das mit­machen!), schöne Land­schaften zu ent­deck­en – und dabei die Pflanzen zu bes­tim­men. Das erfol­gre­iche (Wieder-)Auffinden von Arten finde ich beson­ders befriedi­gend. Und manch­mal stösst man an vorder­gründig «lang­weili­gen» Orten auf die span­nend­sten Dinge!

Warum engagierst du dich bei Flo­ra Raet­i­ca?
Da ander­weit­ig beru­flich tätig kon­nte ich seit Ende der 1990er-Jahre keine Feld­b­otanik mehr betreiben. Nach mein­er Pen­sion­ierung lag es auf­grund meines beru­flichen Hin­ter­grunds nahe, mich wieder inten­siv­er damit zu beschäfti­gen. Das Flo­ra Raet­i­ca-Pro­jekt war dafür ein sehr willkommen­er Aus­lös­er. Ausser­dem finde ich die Idee, 100 Jahre nach der ersten Flo­ra von Graubün­den eine «Neuau­flage» her­auszugeben, sehr sin­nvoll. Mich inter­essieren die floris­tis­chen Verän­derun­gen, die in diesem Zeitraum einge­treten sind, und die möglichen Gründe dafür.

Was ist dein Beitrag zu Flo­ra Raet­i­ca?
Ich erfasse möglichst viele Pflanzen und bear­beite in dem von mir haupt­säch­lich betreuten 5x5km-Quadrat vor allem auch die «Blitzquadrate». Das Unteren­gadin, wo ich seit mein­er Pen­sion­ierung wohne, ist botanisch sehr gut erfasst. Deshalb konzen­triere ich mich in let­zter Zeit beson­ders auf kri­tisch zu bes­tim­mende Taxa, um deren Ver­bre­itung bess­er zu erfassen, etwa die kleinen «Gen­tianel­la» oder die Rätis­che Rose. Gerne gebe ich auch engagierten Per­so­n­en, die vielle­icht noch nicht so ver­traut mit der Bes­tim­mung von Pflanzen sind, von mir zusam­mengestellte Bes­tim­mungs­grund­la­gen weit­er.

Was gefällt dir beson­ders an der Mitar­beit?
Der Aus­tausch mit engagierten Per­so­n­en und auch Feld­b­otanik-Spezial­is­ten, gemein­same Kartier­ak­tiv­itäten und das Gefühl auch nach der Pen­sion­ierung etwas Sin­nvolles zu machen und vielle­icht sog­ar einen Beitrag zur Forschung leis­ten zu kön­nen.

Gab es einen Fund oder Moment draussen, den du nie vergessen wirst?
Das Botanisieren bei Regen und Kälte (Mitte Juni…) in einem Blitzquadrat ober­halb Samedan…und dort die Ent­deck­ung wun­der­bar blühen­der Fiederblät­triger Veilchen (Vio­la pin­na­ta)!

Hast du einen per­sön­lichen Botanik­tipp für Graubün­den?
Die Bünd­ner Pflanzen­welt ist generell enorm abwech­slungsre­ich und reich­haltig! Beson­ders span­nend finde ich Law­inen­züge. Sie sind oft sehr arten­re­ich und kön­nen mit über­raschen­den Fun­den aufwarten, etwa mit grösseren Pop­u­la­tio­nen von Feuerlilien oder Fiederblät­trigem Veilchen. Lei­der sind diese Gebi­ete meist weg­los und steil – also nicht ger­ade «gemütlich» zum Botanisieren….! Und deshalb lei­der etwas unter­erforscht…

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