Flora Raetica lebt vom Engagement seiner Freiwilligen. Mit ihren Beobachtungen leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Erfassung der Pflanzenwelt Graubündens.
In unserer Porträtreihe stellen wir die Menschen hinter Flora Raetica vor.
Heute: Stephanie Goldbach-Aschemann, Sevelen, Physikerin / Laboringenieurin, seit 2026 für Flora Raetica unterwegs.
Das Porträtfoto von Stephanie entstand am 29. Juni 2024 während einer Klettertour auf den Kreuzberg VI im Alpstein. Foto: Simon Tischhauser.
Stephanie, was fasziniert dich am Unterwegssein in der Natur?
Früher stand vor allem die sportliche Herausforderung im Vordergrund, beim Laufen und Klettern. Das geniesse ich noch immer, aber inzwischen kommt vermehrt das Entdecken der verschiedenen Aspekte der Natur hinzu. Ich frage mich zum Beispiel, wie Geologie und Pflanzen zusammenhängen, was dieses spezifische Gras über die Wiese aussagt oder warum es jene Art dieses Jahr häufiger gibt als letztes Jahr. Deshalb habe ich in letzter Zeit einige Botanikkurse gemacht. Sonst schaut man sich ja nur immer das Auffällige und Bekannte an, dabei gibt es so viele faszinierende Pflanzen.
Hast du eine Lieblingspflanze, die in Graubünden wächst? Warum gerade diese?
Mir fällt es schwer, nur eine zu nennen. Ich freue mich immer besonders über Steinbrecharten (Saxifraga), Fettblätter (Pinguicula) und Farne, vor allem über Mondrauten (Botrychium).
Welche Jahreszeit ist für dich botanisch die interessanteste – und warum?
Für Entdeckungen im Feld ist der Mai eine der schönsten Zeiten: Alles ist noch sehr frisch und es gibt auch schon viel zu sehen. Aber manche Pflanzen lassen sich das ganze Jahr über beobachten, zum Beispiel der Tüpfelfarn. Und wenn das Wetter ganz ungemütlich wird, ist das Lesen von Büchern über die Botanik umso schöner.
Warum engagierst du dich bei Flora Raetica und was ist Dein Beitrag?
Ich bin erst seit März dabei und meine Botanikkenntnisse wachsen noch. Deshalb bin ich für alle Korrekturen, Tipps und sonstige Hinweise im Projekt dankbar. Zum Glück lassen sich auch bereits früher gemeldete Pflanzenbeobachtungen ab 2021 nachträglich dem Projekt Flora Raetica zuordnen, dadurch konnte ich schnell etwas beitragen. Als Bücherliebhaberin würde es mich auch sehr freuen, später etwas zur Publikation zum 100-Jahr-Jubiläum 2032 beizusteuern.
Was gefällt dir besonders an der Mitarbeit im Projekt?
Mir gefällt besonders der lebhafte Austausch auf dem Signal-Chat. Es ist immer wieder schön, die Funde zu sehen, und zu spüren wie begeistert die Teilnehmenden sind.
Was bedeutet für dich ein gelungener Tag im Feld?
Natürlich freue ich mich, wenn ich eine seltene Art entdecke oder eine Art bestätigen kann, aber das Gesamterlebnis ist mir eigentlich noch wichtiger. Im Juni war ich zum Beispiel zwei Tage im Unterengadin. Pflanzen, Berge, Übernachtung auf einer Berghütte: Das ist Luxus pur!


