Während drei Tagen sammelten 25 Freiwillige im Puschlav bei Exkursionen, «Mission Entdecken» und Blitzinventaren möglichst viele Pflanzenfunde. Das Resultat kann sich sehen lassen: Im 5x5-km-Quadrat Piz Cancian stieg der Erfassungsgrad von 0 auf 88 Prozent, neu sind dort 326 Pflanzenarten dokumentiert. Auch im Quadrat Piz dal Teo erzielte das Projekt Flora Raetica grosse Fortschritte: Der Erfassungsgrad erhöhte sich von 17 auf 69 Prozent, die Zahl der gemeldeten Arten wuchs von 44 auf 259.
Seltene Arten und wertvolle Nachweise
Neben der grossen Menge an neuen Daten gelangen auch bemerkenswerte Pflanzenfunde. Zu den botanischen Höhepunkten zählten unter anderem das Kugelköpfige Blaugras (Sesleria sphaerocephala), das in der Schweiz ausschliesslich am Sassalb vorkommt (vgl. Foto), sowie das Steinbrech-Leimkraut (Silene saxifraga) – trotz des Namens kein Steinbrech, sondern ein Nelkengewächs, das in Graubünden nur an wenigen Standorten im Valposchiavo und Val Müstair wächst. Weitere besondere Funde waren der Zwerg-Baldrian (Valeriana supina), die Rätische Rapunzel (Phyteuma hedraianthifolium), die Felsen-Miere (Minuartia rupestris), Wulfens Hauswurz (Sempervivum wulfenii) und die Zweifarbige Segge (Carex bicolor).
Blitzinventare und Missionen mit besonderem Reiz
Ein besonderer Reiz geht jeweils von Blitzinventaren aus: Oft reichen schon wenige Stunden im Gelände, um Wissenslücken zu schliessen. Gleichzeitig überraschen selbst nahe beieinander liegende Inventare immer wieder mit einer sehr unterschiedlichen Artenzusammensetzung.
Doch auch die «Missionen Entdecken» sorgen für spannende Erlebnisse. So zeigte sich am Sonntag eindrücklich, wie unterschiedlich solche Missionen verlaufen können: Die Suche nach der Binsenblättrigen Segge (Carex maritima) war bereits nach wenigen Augenblicken erfolgreich. Kaum war die Gruppe am erwarteten Standort angekommen, entdeckte sie über 250 Individuen der gesuchten Art. Ganz anders bei der Arktischen Binse (Juncus arcticus): Trotz intensiver Suche blieb die Art innerhalb des Missionsperimeters unauffindbar – bis sie jemand ausgerechnet gegenüber dem Parkplatz, knapp ausserhalb des Perimeters, entdeckte.
Gemeinsam Pflanzenvielfalt erforschen
Genau solche Erlebnisse machen den Charakter der Kartierwochenenden aus – gemeinsam durch abgelegene Gegenden streifen, sich von der Natur überraschen lassen und Wissenslücken zu schliessen.
Herzlichen Dank allen Freiwilligen für ihren grossen Einsatz sowie allen, die das Kartierwochenende organisiert und unterstützt haben.


