Tschamut ist das westlichste Dorf des Kantons Graubünden. Mitte August waren dort 30 Kartierende unterwegs – auf Trockenwiesen, entlang von Bächen und Stauseen, durch Auenwälder, über steile Hänge, durch abgelegene Täler und bis in hochgelegene Landschaften, zum Beispiel auf den Piz Cavradi. Die Bedingungen waren dabei nicht immer einfach: Der heisse, trockene Sommer hatte viele Pflanzen bereits verdorren lassen, und grössere Flächen waren abgeweidet.
Überraschende Artenvielfalt in einem steilen Graben
Besonders eindrücklich war das Blitzinventar «Ruinas». Das 100 × 100 Meter grosse Untersuchungsgebiet liegt steil in einem Graben mit viel Hochstauden und Grünerlengebüschen – auf den ersten Blick also kein Ort, an dem eine hohe Pflanzenvielfalt zu erwarten wäre. Doch die Kartierenden liessen sich nicht abschrecken und fanden dort 103 Arten.
Neue oder lang nicht gemeldete Arten
Bei einem Blitzinventar in Maighels entdeckten die Teilnehmenden den Zerbrechlichen Blasenfarn (Cystopteris fragilis) als neue Art für das Quadrat. Auch das Alpen-Weidenröschen (Epilobium anagallidifolium) kam wieder zum Vorschein – die letzte Meldung dieser Art stammte hier aus dem Jahr 1982.
Im Val Sumvitg gab es ebenfalls Überraschungen: die Deutsche Tamariske (Myricaria germanica) ist neu für das Tal. Zudem liess sich die Einspelzige Sumpfbinse (Eleocharis uniglumis) bestätigen.
Botanisieren braucht Ausdauer
Neben den Pflanzenfunden bleiben auch die gemeinsamen Erlebnisse in Erinnerung. Etwa die legendäre «Oberalp-Tschamut-Schienenexpedition»: Während Dorith im Halbstundentakt daran erinnerte, dass «man dann mal etwas essen» müsse, blieb die Lupe wichtiger als das Mittagessen. Das Picknick auf dem Bänkli fand schliesslich gegen halb vier statt – erst danach wurde das Tempo Richtung Tschamut «etwas rassiger».
Am Abend liess die Gruppe den Tag bei gutem Essen ausklingen, bestimmte gemeinsam Pflanzen nach und diskutierte und fachsimpelte noch lange in die Nacht hinein.
Letztes Kartierwochenende der Saison
Das Kartierwochenende Tschamut war zugleich das letzte Kartierwochenende der Saison 2026. Und es hat in der Surselva deutliche Spuren hinterlassen: Im 5×5‑km-Quadrat Oberalpstock waren bislang gerade einmal 23 Arten für Graubünden erfasst. Nun sind es 249. Und das nach nur einem Kartiertag in diesem abgelegenen Quadrat – eine beeindruckende Bilanz.
Herzlichen Dank für den grossen Einsatz für Flora Raetica!


