Flora Raetica lebt vom Engagement seiner Freiwilligen. Mit ihren Beobachtungen leisten sie einen wichtigen Beitrag zur Erfassung der Pflanzenwelt Graubündens.
In unserer Porträtreihe stellen wir die Menschen hinter Flora Raetica vor.
Heute: Carmelia Arias Linares, Sekretärin aus Ilanz. Seit 2024 bei Flora Raetica dabei.
Im Bild: Carmelia Arias Linares im Val Tenigia (Val Sumvitg). Foto: Salome Arias Linares.
Carmelia, was begeistert dich an Pflanzen?
Ihre Schönheit, ihre Vielfalt und ihr bis ins kleinste Detail perfekter Aufbau. Es fasziniert mich immer wieder, Pflanzen durch die Lupe zu beobachten. Ausserdem begeistert mich ihre Entwicklung über das ganze Jahr – von der Keimung, über Blüte und Fruchtbildung bis zur Vorbereitung für den Winter. Sogar im vertrockneten Zustand sind viele Pflanzen noch wunderschön.
Wie bist du zur Botanik gekommen?
Die Begeisterung für Pflanzen war schon immer da. 2024 habe ich mich für eine berufliche Auszeit entschieden und mir vorgenommen, die Pflanzenwelt besser kennenzulernen. Gestartet habe ich mit einem Grundkurs Feldbotanik und einem Einführungskurs bei Flora Raetica.
Hast du eine Lieblingspflanze, die in Graubünden wächst? Warum gerade diese?
Meine Lieblingsblume ist seit meiner Kindheit das Gänseblümchen (rom. margrita, flur per mintga meins (Blume für jeden Monat)). Es wächst das ganze Jahr über und erfreut mich immer wieder mit seiner schlichten Erscheinung und seinem goldigen Herzen. Vor zwei Jahren habe ich Trifolium arvense (Hasen-Klee) entdeckt und mich sofort in diese Pflanze verliebt. Sie ist wirklich flauschig weich wie Hasenfell. Aber ganz ehrlich: Bei jedem Ausflug finde ich eine neue Lieblingspflanze.
Wie bist du auf Flora Raetica aufmerksam geworden?
Per Zufall – oder war es Schicksal? Ich hatte in der Quotidiana einen kurzen Bericht über das Projekt gelesen und anschliessend die Projektkoordinatorin Ingrid Jansen kontaktiert. Dann hat sich eines ans andere gereiht und auf einmal war ich mittendrin.
Was ist dein Beitrag zum Projekt?
Im Winter 2025 habe ich bei der Erfassung der historischen Daten für die Surselva geholfen, eine spannende und interessante Aufgabe. Soweit ich Zeit habe und meine Pflanzenkenntnisse reichen, melde ich auch gerne Pflanzen. Schön finde ich, dass bei Flora Raetica auch kleine Beiträge zählen und geschätzt werden.
Gab es einen Fund oder Moment draussen, den du nie vergessen wirst?
Ich war Ende Juni 2025 mit dem Velo auf dem Polenweg unterwegs, um noch die letzten Holunderblüten zu ernten. Beim Abstellen des Velos ist mir der Hausschlüssel aus dem Hosensack gerutscht. Als ich ihn aufheben wollte, habe ich am Wegrand ein winziges, rosa Blümchen entdeckt. Wie habe ich gestaunt, als es sich als kleines Tausendgüldenkraut (Centaurium pulchellum) herausgestellt hat. Der Fund war ein purer Zufall und meine Freude, eine seltene Art entdeckt zu haben, riesengross.
Was bedeutet für dich ein gelungener Tag im Feld?
Wenn ich gar nicht merke, dass es höchste Zeit ist nach Hause zu gehen und wenn ich wieder eine neue Pflanze entdeckt habe.
Welche Tipps würdest du Menschen geben, die sich für Pflanzen in Graubünden interessieren?
Macht bei Flora Raetica mit, besucht einen Feldbotanik-Grundkurs und seid neugierig und aufmerksam. Die ersten überraschenden Pflanzenfunde werdet ihr bereits vor eurer Haustüre machen.
Macht Carmelias Tipp Lust auf mehr?
Wer seine Pflanzenkenntnisse nach dem Grundkurs (oder auch ohne Grundkurs) vertiefen möchte, kann 2027 den Aufbaukurs Feldbotanik besuchen. Der 1½-jährige Aufbaukurs Feldbotanik verbindet fundierte botanische Kenntnisse mit viel praktischer Erfahrung im Gelände und umfasst 14 halb- und ganztägige Exkursionen sowie vier halbtägige Theorieanlässe.
Möchtest auch du Flora Raetica unterstützen? Alle Informationen zum Mitmachen findest du hier.



